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Zwei Männer in einer Produktionshalle besprechen Informationen auf einem Tablet. Im Hintergrund sind Maschinen und Arbeitsgeräte sichtbar.
19.01.26 10:30Lesedauer: 4 Min  |   Legal News

Die gefährliche Illusion wirksamer Compliance

Warum nur ein integriertes CMS über Haftung, Stabilität und Wettbewerbsfähigkeit entscheidet
Unternehmen stehen auch 2026 vor einer unbequemen Realität: Die regulatorische Komplexität wächst schneller, als viele Organisationen ihre Compliance-Strukturen weiterentwickeln können.

Das eigentliche Problem ist dabei nicht allein die Menge an Compliance-Anforderungen oder die Zahl eingesetzter Tools. Die Risiken entstehen dort, wo Anforderungen nicht sauber in klare Rollen und Aufgaben übersetzt oder Fristen und Kontrollen nicht eingehalten werden. Fehlt diese strukturelle Verbindung, laufen Compliance-Aktivitäten nebeneinander statt miteinander. Das erzeugt operative Lücken, die Rechtssicherheit, Geschwindigkeit und Wettbewerbsfähigkeit gefährden.
 
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Wer Compliance heute noch als isolierte Pflichtdisziplin betrachtet, unterschätzt nicht nur regulatorische Risiken, sondern gefährdet aktiv die Zukunftsfähigkeit des Unternehmens.


Die Faktenlage: Hohe Reifegrade, dennoch überraschend viele Vorfälle
Viele Unternehmen halten ihre Compliance für wirksam und werden dennoch immer wieder von erheblichen Verstößen überrascht:

Die NAVEX State of Risk & Compliance Studie 2025 zeigt ein deutliches Missverhältnis zwischen Anspruch und Realität:

  • 57 % der Unternehmen stufen ihr Compliance-System als „reif“ ein.
  • Dennoch hatten 56 % in den letzten drei Jahren mindestens einen relevanten Vorfall – 36 % sogar mehrere.

Zentrale Lücken:

  • Nur 53 % verfügen über ein internes Hinweisgebersystem.
  • Nur 49 % haben eine Non‑Retaliation‑Policy.
  • Nur 61 % nutzen Risikoanalysen aktiv zur Systemverbesserung.

Das Ergebnis: Viele Programme existieren formal, steuern aber nicht.

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Branchenauswertungen (IT‑Finanzmagazin) zeigen zudem, dass schwerwiegende Verstöße häufig extern bekannt werden.
Ein Hinweis auf mangelhafte Meldekultur, unzureichende Aufarbeitung und fehlendes Vertrauen.


Ohne Integration verliert Compliance ihre Wirkung und Unternehmen die Kontrolle
Compliance wirkt nur, wenn Governance, Risiko, Recht, Ethik und operative Prozesse verzahnt arbeiten.

Laut NAVEX:

  • 93 % der Compliance-Funktionen sind zwar im Risikomanagement eingebunden,
  • aber nur 24 % bewerten diese Integration als wirksam.

Besonders in der Industrie entstehen die haftungsrelevantesten Risiken nicht im Vorstand, sondern:

  • an Maschinen
  • in Schichten
  • in Unterweisungen
  • in der Instandhaltung

Der Kern des Problems: Risiken werden identifiziert, aber nicht konsequent in Maßnahmen, Verantwortlichkeiten und Kontrollen übersetzt. Genau hier braucht es integrierte Strukturen statt isolierter Maßnahmen.

Dort, wo Compliance integriert gedacht wird, entstehen weniger Reibungsverluste. Prozesse werden schneller, Risiken früher sichtbar, und Entscheidungswege kürzer. Integration wirkt damit nicht bremsend, sondern stabilisierend und beschleunigend.

Die kritische Schnittstelle: Wo Geschäftsführung, Compliance Officer und Arbeitssicherheitsbeauftragte zusammenkommen müssen

Perspektive Geschäftsführung: Führungspflicht, Haftung und wirtschaftliche Geschwindigkeit
Für die Geschäftsführungen ist Compliance keine delegierbare Nebenaufgabe. Gerichte stellen bei fehlender Organisation, mangelnden Kontrollen oder unzureichender Unterweisung seit Jahren regelmäßig auf persönliche Haftung ab, auch bei Fahrlässigkeit.

Die PwC‑Studie 2025 zeigt zusätzlich:

  • 77 % der Unternehmen erleben Wachstumshemmnisse durch steigende Compliance‑Komplexität.
    Nicht wegen der Regeln selbst, sondern wegen fehlender Transparenz, unklarer Verantwortlichkeiten und langsamer Entscheidungen.
  • Compliance ist heute weniger ein Rechtsrisiko als ein strategisches Risiko. Ohne integrierte Strukturen verlieren Unternehmen Tempo, Kontrolle und Wettbewerbsfähigkeit und Führungskräfte ihre Haftungssicherheit.


Perspektive Compliance Officer: Vom Reagieren zum strategischen Einfluss

Compliance Officer agieren zwischen wachsender regulatorischer Komplexität und begrenzter organisatorischer Durchdringung.

Die NAVEX-Daten zeigen:

  • 70 % sind stark in Risikoanalysen eingebunden,
  • aber nur 64 % berichten regelmäßig an das Management,
  • und nur 52 % der Aufsichtsgremien übernehmen klare Programmverantwortung.

Ergebnis: Compliance bleibt häufig reaktiv, obwohl gerade sie wesentliche Steuerungsimpulse liefern könnte.

Integrierte Compliance ermöglicht:

  • klare Verantwortlichkeiten
  • valide Risikoabwägungen vor Entscheidungen
  • Transparenz und Vergleichbarkeit
  • messbare Performancebeiträge
  • Erst ein integriertes Compliance Management System, unterstützt durch eine Compliance Management Software, ermöglicht es Compliance Officer, Risiken nicht nur zu verwalten, sondern Entscheidungen aktiv zu steuern. Es macht ihre Arbeit wirksam, sichtbar und strategisch relevant.


Perspektive aus der Arbeitssicherheit: Höchste Haftung, höchster Einfluss

Arbeitsschutz ist einer der klarsten Pflicht- und Haftungsbereiche und zugleich ein signifikanter Performancefaktor.

Studien zeigen, dass hohe Arbeitssicherheit:

  • Zufriedenheit steigert
  • Motivation erhöht
  • Bindung stärkt

Mitarbeitende in fairen, konsistenten Systemen sind bis zu 2,1‑mal motivierter und loyaler.

Organisatorische Defizite führen dagegen zu:

  • Höheren Ausfallzeiten
  • Geringerer Produktivität
  • Vertrauensverlust gegenüber Führung und Organisation
  • individueller Haftung von Führungskräften
  • Arbeitssicherheit ist der zentrale Wirksamkeitsindikator eines Compliance-Systems, weil hier unmittelbar erkennbar wird, ob Pflichten tatsächlich umgesetzt und Verantwortlichkeiten wirksam wahrgenommen werden.

Verstärkte Haftungsperspektive
Gerichte haben in den vergangenen Jahren zahlreiche Führungskräfte, bis hin zu Schichtleitern und Teamleitern, wegen Organisationsversagen im Arbeitsschutz verurteilt. Die Fälle reichen von fahrlässiger Körperverletzung bis zu Haftstrafen bei schwerwiegenden Unfällen. Die Botschaft ist klar: Dokumentation schützt nicht. Nur wirksame Umsetzung schützt. Arbeitsschutzbeauftragte können beraten, aber Verantwortung bleibt bei den Führungskräften.  Eine fehlende Integration zwischen Arbeitsschutz, Compliance und Führung führt im Ernstfall zu schwerwiegenden Konsequenzen. Deshalb gehört der Bereich Arbeitsschutz nicht an den Rand, sondern ins Zentrum eines integrierten Compliance Management Systems – aus rechtlicher wie aus wirtschaftlicher Sicht.

Fazit: Compliance wirkt nur integriert oder gar nicht
Unternehmen mit integrierten Systemen gewinnen:

  • Stabilität
  • Transparenz
  • Vertrauen
  • Entscheidungsgeschwindigkeit
  • robuste Prozesse
  • nachhaltiges Wachstum

Siloartige Strukturen erzeugen eine trügerische Sicherheit: Systeme wirken formal erfüllt, greifen aber operativ nicht ineinander. Das schwächt Unternehmen wirtschaftlich wie auch reputativ.

Gerade in produzierenden Unternehmen gilt:
Compliance wirkt nur integriert oder sie wirkt gar nicht. Und dort, wo sie richtig gedacht wird, entsteht nicht nur Rechtssicherheit, sondern die Grundlage für verantwortungsvolles, nachhaltiges Wachstum.

Compliance Wissen

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